Etwas machen, ohne etwas zu tun

Meinen die das ernst? Ja, die meinen das ernst. Wie Behörden im Nachbarlandkreis Mainz-Bingen die uneffektivste Möglichkeit suchten, einen Unfallschwerpunkt zu entschärfen und auch fanden, sich dabei aber sehr gut vorkommen:

Die Behörden sind in diesem Falle der Landesbetrieb Mobilität (LBM) Worms, die Kreisverwaltung Mainz-Bingen, die Verbandsgemeindeverwaltung Gensingen-Sprendlingen und die Polizeiinspektion Bingen. Die haben nun in einer gemeinsamen Pressemitteilung beschrieben, was sie auf der Landesstraße 415 zwischen Sprendlingen und Ober-Hilbersheim zu tun gedenken. Die lange Gerade, die sich, von Sprendlingen aus kommend, kurz vor der früheren Kreismülldeponie in eine anspruchsvolle Kurvenstrecke verwandelt, ist bei Motoradfahrern recht beliebt.

Leider auch bei solchen, die dann dort verunfallten. Im vergangenen Jahr gab es fünf Motorradunfälle und vier Verletzte, in den Jahren zuvor auch einen Toten, zudem immer wieder gefährliche Situationen und sogar Motorradrennen. Da kann man der Meinung der Behörden sein und sagen: Das geht so nicht. Nur: Was tun?

Erste Möglichkeit: verstärkt kontrollieren. Ginge, ist aber personalaufwendig. Hat man trotzdem gemacht. War aber nicht zufrieden. Denn: „Dennoch war keine Verbesserung feststellbar, weil … das Erscheinen der Polizei bemerkt wurde und die Motorradfahrer die Strecke sofort verließen.“ Oookay. Wenn also Motorradfahrer die Raserstrecke verlassen oder sogar plötzlich regelkonform fahren, ist das keine Verbesserung? Da kann man aber, milde ausgedrückt, anderer Meinung sein. Trotzdem scheint das keine Option für Polizei und Co.

Möglichkeit zwei: Die Straße baulich verändern. In der gemeinsamen Erklärung ist vom Einbau von Rüttelstreifen die Rede. Hat man verworfen. Gründe dafür werden nicht genannt. Kosten sollten ja in einem der reichsten Landkreise der Republik nicht wirklich das Ding sein. Außerdem ist es eine Landesstraße, also sollte da auch das Land in der Pflicht stehen …

Möglichkeit drei: Geschwindigkeitsbegrenzung einführen. Also ein Schild aufstellen. Funktioniert nur, wenn da dauernd kontrolliert wird (siehe Option eins). Merken die Raser, dass dem nicht so ist, werden sie schon bald so rasen wie vorher. Haben Polizei und Co. selbst erkannt und diese Möglichkeit entsprechend verworfen. So viel Personal hat’s dann wohl doch nicht.

Möglichkeit vier: die Straße für Motorradfahrer sperren. Gemeinhin macht man das wie folgt: Man stellt ein Schild auf. Nämlich das mit dem Verkehrszeichen 255: Schwarzes Motorrad auf weißem Grund im roten Kreis. Wenn die Verwaltungen, der LBM und die Polizei nicht eine komplett neue Methode gefunden haben, Motorradfahrer von der Strecke abzuhalten, wird genau das gemacht. Und dann offensichtlich nicht kontrolliert. Denn schon bei Möglichkeit Nummer drei war ja allen Beteiligten klar: Schild aufstellen bringt nur etwas, wenn kontrolliert wird.

Auf der Strecke wird also weiter gerast werden. Es werden weiter Unfälle geschehen. Und in den Verwaltungen und bei der Polizei wird man sich trotzdem zufrieden auf die Schultern klopfen und sagen: „Wir haben was gemacht. Nutzt zwar nix, aber: Wir haben was gemacht.“

Bravo!

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Quellen:

Oeffentlicher Anzeiger (Bezahlschranke): https://bit.ly/2H0vXqt

hanz-online.de: https://bit.ly/2H0bMon

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