Warum XR keine Verdammnis verdient, sondern kritische Begleitung

Hach ja, Extinction Rebellion: Wie können die es nur wagen, nicht so zu sein wie [bitte Gruppierung einsetzen]. Jetzt wogt ja die Debatte schon einige Zeit, und selbst Jutta Ditfurth fühlte sich bemüßigt, ausgerechnet der FAZ ein Interview zu Extinction Rebellion (XR) zu geben, offensichtlich in Kauf nehmend, dass sie so das negative bürgerliche Narrativ zu XR stärkt, kann jetzt doch selbst der FAZ-Leser auf sie verweisen und sagen: „Seht ihr, die Linken finden die auch scheiße. Selbst die Ditfurth.“ Großartig! Soll man also jetzt wie die Grande Dame der deutschen Linken XR in Bausch und Bogen verdammen? Nein. Anbei ein paar Gründe – in den Repliken auf die gängigsten Vorwürfe.

(mehr …)

Neu: Eine Kampagne gegen die CDU

Weil sich nun die bürgerliche Welt gerne beschwert, das man ja „so“ nicht mit der CDU umgehen könne: ein paar Hinweise.

„So“ heißt: Kampagne. Ja, was Rezo und inzwischen glaube ich über 90 Youtuber da losgetreten haben, war eine Kampagne. Gut getimed, gut gemacht. Eine Kampagne gegen die CDU.

Und das ist das Neue: Dass sich Kampagnen auf einmal gegen die CDU richten können. Denn bisher waren Kampagnen kurz vor Wahlen zumeist Kampagnen für die CDU. Wenn die Bild mal wieder zeitlich passend von grünem Verbotswahn schwadroniert. Oder dass die Sozen einfach nicht rechnen können (für die älteren Semester). Oder wenn der Herr Pfarrer von der Kanzel deutlich machte, dass man aber schon christlich zu wählen habe (für die noch älteren …).

(mehr …)

Der deutsche Autofahrer. Versuch einer Annäherung.

Hui, jetzt regt er sich auf, der Deutsche. Genauer gesagt, der deutsche Autofahrer. Denn nicht nur, dass das Benzin mal wieder teurer wird, nein, auch der Dieselskandal regt ihn auf. Und die Feinstaubdebatte erst. Autos haben ja derzeit eh nicht den besten Ruf. Klimakatastrophe und so. Da sind Gefährte, die raffiniertes Erdöl zu viel CO2 verbrennen, nicht gerade hoch angesehen.

Der deutsche Autofahrer regt sich sogar so sehr auf, dass er wegen leicht gestiegener Spritpreise an einem Tag nicht tanken möchte. Er nennt das Boykott und tankt dafür einen Tag später. Oder früher. Die unglaubliche Dämlichkeit dieses Vorhabens hat Mimikama schon bestens beschrieben: https://bit.ly/2znqnIB

(mehr …)

Aufklären, nicht verbieten

Da ist sie also wieder, die Kopftuchdebatte. Diesmal geht‘s um kleine Mädchen. Sollen die in der Schule Kopftuch tragen dürfen? Schließlich sei es ja nur ein Stück Stoff. Stimmt. Ist es auch. Aber eben ein Stück Stoff, das religiös aufgeladen ist. Und einen Graben schafft zwischen Mädchen mit Kopftuch (gut) und Mädchen ohne Kopftuch (schlecht). Und das ist nicht gut.

Aber: Das gilt ja nicht nur fürs Kopftuch. Auch andere religiöse Symbole sollen abgrenzen, sollen deutlich machen: Dieses Kind gehört zu einer bestimmten religiösen Gruppe, die bestimmte Regeln befolgt. Das geht übrigens auch bei Jungen. Ich erinnere mich da an meinen Zeugen-Jehovas-Mitschüler …

Da dieser Staat ein weltanschaulich neutraler ist, gibt es ganz klar nur zwei Wege in Sachen Kopftuch und Co.: Entweder die religiöse Indoktrination von Kindern hört auf, dann hat das Kopftuch bei Mädchen in der Schule nichts mehr zu suchen. Das Kreuz (immerhin ein Mordinstrument) wie auch der Fisch an der Halskette von christlich erzogenen Kindern oder andere religiöse Symbole dann aber auch nicht.

Jenseits davon könnte man sich dann auch einmal über Kindstaufen oder Beschneidungen Gedanken machen. Oder man lässt religiöse Symbole an Kindern in der Schule zu. Also, so alle Symbole: Kopftuch, Kreuz, Fisch …

Dann hätte man vielleicht auch mal Zeit, nachzudenken, was Verbote so bringen: Schließlich hat das Verbot von Cannabis die Zahl der Kiffer nicht unbedingt verringert und auch das Verbot von Fahren unter Alkoholeinfluss hat dieses Problem ebenso nicht aus der Welt geschafft.

Statt Verbote zu fordern, wäre Aufklärung auf lange Sicht wirksamer. Derentwegen leben wir immerhin nicht mehr in einem christlich-fundamentalistischen Land wie noch im Mittelalter. Ja, Aufklärung ist schwierig, und immer wieder hat Kant recht, der da einst sagte, dass wir nicht in einem aufgeklärten Zeitalter, sondern eben nur in einem Zeitalter der Aufklärung leben.

Wenn wir damit anfangen wollen, sollten wir am besten in der Schule über die Bedeutung von religiösen Einschränkungen, Ge- und Verboten, ihre (meist frauenfendlichen) Hintergründe, etc. aufklären. So im Unterricht. Das ärgert dann wahrscheinlich nicht nur die streng muslimischen Eltern, sondern auch ihre christlichen Gegenparts. Und die Religionslehrer. Aber das ist ja dann auch gut so.

 

Mehr dazu: https://bit.ly/2J6rXRT

Foto: BeLight Software Ltd.