Aufklären, nicht verbieten

Da ist sie also wieder, die Kopftuchdebatte. Diesmal geht‘s um kleine Mädchen. Sollen die in der Schule Kopftuch tragen dürfen? Schließlich sei es ja nur ein Stück Stoff. Stimmt. Ist es auch. Aber eben ein Stück Stoff, das religiös aufgeladen ist. Und einen Graben schafft zwischen Mädchen mit Kopftuch (gut) und Mädchen ohne Kopftuch (schlecht). Und das ist nicht gut.

Aber: Das gilt ja nicht nur fürs Kopftuch. Auch andere religiöse Symbole sollen abgrenzen, sollen deutlich machen: Dieses Kind gehört zu einer bestimmten religiösen Gruppe, die bestimmte Regeln befolgt. Das geht übrigens auch bei Jungen. Ich erinnere mich da an meinen Zeugen-Jehovas-Mitschüler …

Da dieser Staat ein weltanschaulich neutraler ist, gibt es ganz klar nur zwei Wege in Sachen Kopftuch und Co.: Entweder die religiöse Indoktrination von Kindern hört auf, dann hat das Kopftuch bei Mädchen in der Schule nichts mehr zu suchen. Das Kreuz (immerhin ein Mordinstrument) wie auch der Fisch an der Halskette von christlich erzogenen Kindern oder andere religiöse Symbole dann aber auch nicht.

Jenseits davon könnte man sich dann auch einmal über Kindstaufen oder Beschneidungen Gedanken machen. Oder man lässt religiöse Symbole an Kindern in der Schule zu. Also, so alle Symbole: Kopftuch, Kreuz, Fisch …

Dann hätte man vielleicht auch mal Zeit, nachzudenken, was Verbote so bringen: Schließlich hat das Verbot von Cannabis die Zahl der Kiffer nicht unbedingt verringert und auch das Verbot von Fahren unter Alkoholeinfluss hat dieses Problem ebenso nicht aus der Welt geschafft.

Statt Verbote zu fordern, wäre Aufklärung auf lange Sicht wirksamer. Derentwegen leben wir immerhin nicht mehr in einem christlich-fundamentalistischen Land wie noch im Mittelalter. Ja, Aufklärung ist schwierig, und immer wieder hat Kant recht, der da einst sagte, dass wir nicht in einem aufgeklärten Zeitalter, sondern eben nur in einem Zeitalter der Aufklärung leben.

Wenn wir damit anfangen wollen, sollten wir am besten in der Schule über die Bedeutung von religiösen Einschränkungen, Ge- und Verboten, ihre (meist frauenfendlichen) Hintergründe, etc. aufklären. So im Unterricht. Das ärgert dann wahrscheinlich nicht nur die streng muslimischen Eltern, sondern auch ihre christlichen Gegenparts. Und die Religionslehrer. Aber das ist ja dann auch gut so.

 

Mehr dazu: https://bit.ly/2J6rXRT

Foto: BeLight Software Ltd.

2 Kommentare zu “Aufklären, nicht verbieten

  1. Als säkulärer Moslem, der in Deutschland geboren und aufgewachsen ist und selbst eine neunjährige Tochter hat (nein sie trägt kein Kopftuch) stimme ich diesem Text voll und ganz zu!!!!

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