Bosenheimer Straße

Verkehr verkehrt: Nicht immer, aber immer öfter

Bad Kreuznach. Der Bad Kreuznacher steht gerne. Vor allem im Stau. Anders ist es kaum noch zu erklären: Die Bosenheimer Straße ist in Spitzenzeiten eher ein Parkplatz denn eine Straße. Doch für Autofahrer scheint es keinen Ersatz zu geben: Zwingend muss die am verschwenderischsten geplante Straße der Stadt befahren werden. Sie wissen schon, die mit den Abbiegespuren in Privateinfahrten.

Der noch nicht ganz vom Navi in den vorzeitigen Gehirntod getriebene Kfz-Lenker nimmt daher Kurs auf den parallel verlaufenden Schwabenheimer Weg – und steht spätestens am Schneider-Optik-Kreisel wieder wo? Genau, auf der Bosenheimer Straße in ihrem höllischsten Abschnitt, nämlich bis zum Fleischhauer-Kreisel. Dumm gelaufen.

Mitdenken nicht beliebt

Wer auch nur für zwei Pfennige mitdenkt, der macht es sich einfach und fährt über die Gensinger Straße: kaum Autos, kaum Ampeln und – völlig untypisch für Bad Kreuznach – nicht ein einziger Kreisverkehr. Ach ja: Über den Brückes kann man übrigens auch noch von Osten aus in die Stadt fahren. Macht aber keiner.

Neben der Bosenheimer Straße völlig überlastet ist auch die Alzeyer Straße. Mit Staugrund dort wie in der Bosenheimer Straße ist der, bei Masse der Autos, die er aufnehmen muss, geradezu winzige Fleischhauer-Kreisel. Doch der Bad Kreuznacher kreiselt gern. Ob sehr langsam wie im Fleischhauer-Kreisel oder sehr, sehr vorsichtig wie im Holzmarkt-Kreisel, wo die insgesamt sechs Arme direkt aneinandergrenzen. Der Mini-Kreisel an der Kreuzung Neufelder Weg und Mittlerem Flurweg hingegen macht genau das, was er soll: den Unfallschwerpunkt entschärfen.

Polit-Leiche ist wieder da

Den ganz großen Kreisel samt Beschleunigungsspuren und was weiß ich noch an der Ochsenbrücke hat man ja inzwischen aufgegeben, die dazugehörige Ost-West-Trasse hingegen nicht. Die Polit-Leiche wird regelmäßig aus dem Grab gerissen – wahrscheinlich von all jenen, die die Berufsschule besonders hassen und unbedingt wollen, dass die Schüler wegen der dann dahinter verlaufenden Entlastungstrasse für die Salinenstraße (B48) die Fenster vor Gestank nicht mehr öffnen können. Dabei könnte man auch zwischen Bösgrunder Weg und Rheingrafenstraße per Brücke die Bahnstrecke queren und so ebenfalls über den Kohlenweg den Innenstadtteil der Salinenstraße entlasten.

Auch weiter Richtung Salinental macht die B48 Probleme. Weil sie eben durchs Salinental führt. Und wenn da jetzt noch ein Schwimmbad … Da fahren ja dann noch mehr Autos. Doch das ist nur bedingt richtig. Im Sommer fahren so viele Autos wie bisher. Zum Freibad. Das wird ja nicht plötzlich größer. Im Winter fahren wohl bald mehr Autos, weil das neue Kombibad eben auch Hallenbad ist. Allerdings sind im Winter auch nicht so viele Menschen im Salinental unterwegs – weil kalt. Daher: Pfft.

Übrigens könnte man ganz einfach auch die B48 aus der Stadt heraus verlegen. Die Straßen sind bereits da, es müssten nur Schilder umgehängt werden. Statt durch Bad Kreuznach führte die Straße dann von Bretzenheim kommend an Planig, Bosen-, Hacken- und Frei-Laubersheim sowie Fürfeld vorbei und träfe hinter Hochstättten wieder auf die bisherige B48. Allerdings müsste die Verwaltung dann auch mit der alten B48-Trasse durch die Stadt zehn Kilometer Straße mehr unterhalten.

Nicht immer nur Platz für Autos

Statt dem Auto mehr Platz zu schaffen, wäre es auch mal schön, wenn Fußgänger und Radfahrer mehr Platz hätten. In der Planiger Straße zwischen Römerkastell und Wilhelmstraße hat man Platz geschaffen, in der Viktoriastraße soll er geschaffen werden. Nur ist die Planiger Straße immer noch als Ausfallstraße zur Autobahn ausgeschildert und ohne die Viktoriastraße endet die Gensinger Straße nach heutiger Verkehrsführung stadteinwärts halb im Nichts. Noch so ein Planungs-Fail: Die Kurhausstraße zwischen Kiosk und Kurhaus. Dort sollen es jetzt Radfahrer sein, die stören. Wahrscheinlich stören sie die Autofahrer, die dort jedoch gar nix zu suchen haben sollten – Anwohner ausgenommen. Direkt am Kurhaus gibt es schließlich einen unglaublich hässlichen Parkplatz. Da kann man zum Kuchenholen schon einmal parken. Oder in der Tiefgarage, die es ja nun gibt, die aber anscheinend nicht groß genug ist, um wie einst versprochen den Fürstenhofplatz vom Parkplatz zum Platz zurück zu verwandeln.

Ach, Parken kostet Geld, sagen Sie? Stimmt. Weil Parkplätze Geld kosten. Mit Ausnahme des Kohlenwegs. Diese Aneinanderreihung von Schlammpfützen, Kopfsteinpflaster und Schlaglöchern hat die Stadt wohl zuletzt zu Konrad Adenauers Zeiten Geld gekostet. Trotzdem kostet’s, dort zu parken. Aber es ist ja okay, fürs Parken zu zahlen. Und es ist sogar okay, nicht direkt vorm Ziel parken zu können. Laufen hat noch keinem geschadet, der es kann.

Sportler und Bewegung

Sportler zum Beispiel. Doch die beschweren sich, dass der Schulhof der Realschule plus, vulgo Ringschule, nun nicht mehr als Parkplatz für die Konrad-Frey-Halle nebenan genutzt werden darf. Klar, Kinder brauchen schließlich nix anderes als eine hübsch asphaltierte Fläche, um sich in den Pausen auszutoben. Hingegen kann Sportlern Bewegung jenseits des Sports – zum Beispiel ab General-Rose-Parkplatz oder Rewe-Parkhaus am Bahnhof nie zugemutet werden.

Und Bad Kreuznachs Kinder werden inzwischen bevorzugt per Auto von Mami oder Papi an der jeweiligen Schule abgesetzt. Vor der Hofgartenschule geht daher morgens nix mehr. Eltern haben keine Zeit und wollen schnell das Kind per Auto zur Schule bringen, denn Laufen ist bei so viel Verkehr ja viel zu gefährlich. Klingt irre, ist aber so.

Und wenn das Kind dann in der Schule ist, geht’s ab zur Arbeit oder zum Einkaufen. Am besten über die Bosenheimer Straße …

 

So erschienen in der Rhein-Zeitung, Ausgabe Bad Kreuznach (Oeffentlicher Anzeiger), 22. Dezember 2017

Rachepornos: auch an der Nahe längst üblich

Kreis Bad Kreuznach. Es geht um Vertrauen. Und um den Missbrauch von Vertrauen. Um das Zerstören von Existenzen. „Revenge Porn“, auf Deutsch Rache-Pornos, sind längst auch an der Nahe angekommen. Und da längst nicht nur in den Städten, berichtet Erster Kriminalhauptkommissar Dietrich Gödker von der Polizeiinspektion Bad Kreuznach. Gut ein halbes Dutzend Mal ermittelten Gödker und seine Kollegin, Kriminalkommissarin Jasmin Sauter, im vergangenen Jahr zu diesem Thema. Rache-Porno: Das ist der Oberbegriff für intime Fotos und Videos, die gegen den Willen der Betroffenen online gestellt werden. Das reicht vom Oben-Ohne-Foto bis hin zum privat gedrehten Sexfilm.

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Gefühlte Sicherheit geht enunner

Sicherheit ist ja auch nur ein Gefühl. Nicht umsonst sagt man: „Ich fühle mich sicher.“ Genauso ist das am Jahrmarkt mit den Einlasskontrollen und Taschendurchsuchungen. Das gibt ein gutes Gefühl: „Die tun was.“ Dass das, was die tun in Sachen Terrorabwehr in der Hauptsache Zeitverschwendung ist, steht auf einem anderen Blatt. (mehr …)

Der schwarze Block als Helfershelfer der Reaktion

Vorrede:

Polizeigewalt? Geschenkt, ist bekannt. Und wird auch zur Genüge kritisiert. Himmel, selbst von der Bild. Gleiches gilt für Repressalien gegen die Presse. Kritik an Einsatzleitung und Politik dito. Aktionen gegen G20? Ja, bitte. Notwendig. Wichtig. Dazu zählen selbstverständlich auch Großdemos, passiver Widerstand und auch sich nicht alles gefallen lassen, was die Polizeiführung gerne durchgesetzt hätte.

Und zur Psychopathologie des deutschen Kleinbürgers, dessen eigene Gewaltphantasien beim Anblick brennender Autos keine Grenzen kennen, hat Marc-Uwe Kling schon alles gesagt: „,Ob Links-oder Rechtsextremismus – da sehe ich keinen Unterschied.’ ,Doch, doch’, ruft das Känguru laut dazwischen. ,Es gibt einen Unterschied. Die einen zünden Ausländer an, die anderen Autos. Und Autos anzünden ist schlimmer. Denn es hätte mein Auto sein können. Ausländer besitze ich keine.’“

Zur Sache:

So weit klar? Okay. Dann lassen wir jetzt mal jeglichen moralischen Aspekt beiseite. So fragen wie: Ob es vom Grundsatz her okay ist, jemandem den Schädel einzuschlagen. Die wirtschaftliche Existenz eines Menschen schwer zu gefährden oder gar zu zerstören – und das dürfte bei einigen der Fall gewesen sein, deren Kleinwagen brannten, deren Geschäfte nur noch qualmende Ruinen sind.

Bleiben wir auf der politischen Ebene – auf der Ebene jener, die da in Hamburg einen vermeintlich revolutionären Kampf führen: (mehr …)

Wochenrückblick

Heute gibt’s erstmals einen Wochenrückblick. Der soll eher Hintergründe zu verschiedenen Themen bieten und präsentiert daher immer spannende Netzfunde. Los geht’s: