Der schwarze Block als Helfershelfer der Reaktion

Vorrede:

Polizeigewalt? Geschenkt, ist bekannt. Und wird auch zur Genüge kritisiert. Himmel, selbst von der Bild. Gleiches gilt für Repressalien gegen die Presse. Kritik an Einsatzleitung und Politik dito. Aktionen gegen G20? Ja, bitte. Notwendig. Wichtig. Dazu zählen selbstverständlich auch Großdemos, passiver Widerstand und auch sich nicht alles gefallen lassen, was die Polizeiführung gerne durchgesetzt hätte.

Und zur Psychopathologie des deutschen Kleinbürgers, dessen eigene Gewaltphantasien beim Anblick brennender Autos keine Grenzen kennen, hat Marc-Uwe Kling schon alles gesagt: „,Ob Links-oder Rechtsextremismus – da sehe ich keinen Unterschied.’ ,Doch, doch’, ruft das Känguru laut dazwischen. ,Es gibt einen Unterschied. Die einen zünden Ausländer an, die anderen Autos. Und Autos anzünden ist schlimmer. Denn es hätte mein Auto sein können. Ausländer besitze ich keine.’“

Zur Sache:

So weit klar? Okay. Dann lassen wir jetzt mal jeglichen moralischen Aspekt beiseite. So fragen wie: Ob es vom Grundsatz her okay ist, jemandem den Schädel einzuschlagen. Die wirtschaftliche Existenz eines Menschen schwer zu gefährden oder gar zu zerstören – und das dürfte bei einigen der Fall gewesen sein, deren Kleinwagen brannten, deren Geschäfte nur noch qualmende Ruinen sind.

Bleiben wir auf der politischen Ebene – auf der Ebene jener, die da in Hamburg einen vermeintlich revolutionären Kampf führen: (mehr …)

Wochenrückblick

Heute gibt’s erstmals einen Wochenrückblick. Der soll eher Hintergründe zu verschiedenen Themen bieten und präsentiert daher immer spannende Netzfunde. Los geht’s:

Ich bin nicht Thomas. Und schon gar nicht Leitkultur.

Bundesinnenminister Thomas De Maizière macht die Leitkulturdebatte wieder auf. Mit zehn Thesen (warum nicht gleich 95?), die er aber nicht an der Wittenberger Schlosskirche angeschlagen hat, sondern exklusiv an Bild am Sonntag verkauft hat. In der Süddeutschen kann man ein paar davon lesen. Die sind übel. Versuch einer Replik:
 
Ich sage meinen Namen nicht jedem. Ich gebe auch nicht jedem die Hand. Vermummungsverbot ist scheiße. Und „Wir sind nicht Burka“ ist kein deutscher Satz.
 
Leistung ist kein Selbstzweck.
 
Religion ist zum Glück immer weniger Kitt der Gesellschaft und kann mir gestohlen bleiben.
 
Die Zivilkultur zur Regelung von Konflikten nennt man Justizapparat. Und wer glaubt, dass Biodeutsche keine Anknüpfungspunkte zwischen Ehre und Gewalt kennen, sollte mal im nächsten Frauenhaus anrufen.
 
Ja, wir sind Teil des Westens – im Sinne der Aufklärung. Die Nato ist aber keine Philosophenvereinigung. Sie schützt daher nicht die Aufklärung, sondern Kapitalinteressen.
 
Ich befürchte, dass die restlichen Thesen, die Bild am Sonntag als exklusiv zurückhält, genauso niveauarm sind.

Die Farce der französischen Linken

Hegel bemerkte irgendwo, daß alle großen weltgeschichtlichen Tatsachen und Personen sich sozusagen zweimal ereignen. Er hat vergessen, hinzuzufügen: das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce.
(Karl Marx, Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte)

Die Farce beginnt. Sie beginnt mit Jean-Luc Mélenchon, dem französischen Präsidentschaftskandidaten der Linken, dem Kandidaten von La France insoumise, dem widerspenstigen Frankreich. Widerspenstig? Das wäre schön. Was Mélenchon macht, ist aber nicht widerspenstig, sondern dumm und brandgefährlich. Als einziger der demokratischen Kandidaten mit großem Stimmenanteil im ersten Wahlgang der Präsidentschaftswahl hat er sich nicht sofort und eindeutig entschieden, den Demokraten Emmanuel Macron im Kampf gegen die Faschistin Marine Le Pen im zweiten Wahlgang zu unterstützen. Das berichtet unter anderem die New York Times.

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